Robert sitzt zwei Monate nach dem Tod seines Vaters am Küchentisch seiner Schwester und ist ratlos. Der Erbschein ist noch nicht da, die Bank blockt beim Kontozugriff ab und mit seiner Schwester streitet er sich, wer sich um was kümmern soll. „Es geht einfach nichts voran“, sagt er am Telefon zu mir, fast vorwurfsvoll. Dabei kann ich nach über 20 Jahren als Nachlassverwalterin und Erbenermittlerin sagen: Zwei Monate sind nach einem Erbfall eigentlich kaum Zeit. Nur wissen das die wenigsten Erben. Sie kennen weder die Schritte noch die Fristen, die sie befolgen müssen. Genau aus diesem Missverständnis entsteht der Frust, den ich bei Robert und vielen anderen Erben erlebe.
In diesem Beitrag zeige ich Ihnen, was die Einfach-erben-Methode® ist, warum ich sie entwickelt habe und wie sie Erben wie Robert durch die Nachlassabwicklung führt.
Das erwartet Sie in diesem Beitrag
- Was hinter der Einfach-erben-Methode® steckt
- Was ist die Einfach-erben-Methode®?
- Der Vergleich mit dem Hausbau
- Die fünf Phasen der Einfach-erben-Methode® im Überblick
- Was sich für Erben durch die Methode konkret ändert
- Wann lohnt sich zusätzliche fachliche Begleitung?
- Fazit: Die Einfach-erben-Methode® gibt Erben Orientierung
Was hinter der Einfach-erben-Methode® steckt
In den ersten zehn Jahren meiner Tätigkeit in der Nachlassabwicklung und Erbenermittlung habe ich teilweise sehr frustrierende Situationen erlebt. Erben waren genervt, weil „nichts passiere“, obwohl der Erblasser doch schon Wochen oder Monate tot sei. Andere waren zerstritten, weil niemand wusste, wer welche Aufgabe übernimmt oder welche Entscheidung gerade Priorität hat. Auch ich habe in den ersten Berufsjahren Entscheidungen getroffen, die ich im Nachhinein lieber zu einem anderen, teilweise späteren Zeitpunkt, hätte treffen sollen, weil mir schlicht die Struktur und die Erfahrung fehlte.
Irgendwann war für uns als Kanzlei-Team klar: So geht es nicht weiter. Wir müssen die Menschen mehr an die Hand nehmen, statt sie mit Fachbegriffen allein zu lassen. Aus diesem Frust heraus entwickelten wir einen Fahrplan, den wir seit nun zehn Jahren konsequent anwenden und stetig weiter verfeinern. Mittlerweile ist daraus die Einfach-erben-Methode® geworden, ein Prinzip, nach dem meine gesamte Kanzlei arbeitet.
Was ist die Einfach-erben-Methode®?
Im Kern beantwortet die Einfach-erben-Methode® jedem Erben zu jedem Zeitpunkt zwei Fragen:
1) Wo stehen wir gerade?
2) Was ist der nächste richtige Schritt?
Das klingt simpel, ist in der Praxis aber der entscheidende Unterschied zu einer rein juristischen Beratung. Ein Erbfall besteht nämlich selten aus einer einzelnen rechtlichen Frage. Fristen, Schulden, Behörden, Immobilien und Miterben greifen ineinander. Genau diese Gemengelage überfordert die meisten Menschen, die zum ersten Mal in ihrem Leben erben und sich mit einer Nachlassabwicklung beschäftigen. Doch wenn Sie den Ablauf des Erbens einmal verstanden haben, vermeiden Sie die meisten kostspieligen Fehler von selbst, noch bevor ein Anwalt oder Steuerberater ins Spiel kommt.
Der Vergleich mit dem Hausbau
Ich erkläre die Einfach-erben-Methode® gerne anhand eines Hausbaus. Die meisten Menschen wollen im Erbfall sofort beim Dach anfangen, also bei der Verteilung des Vermögens oder dem Verkauf der Immobilie. Doch ohne Fundament hält kein Dach. Erst kommt die Ermittlung der Fakten, dann das Ordnen der Unterlagen, danach das eigentliche Abwickeln, gefolgt von der Auseinandersetzung zwischen den Erben und erst ganz am Ende die Auszahlung. Wer diese Reihenfolge kennt, baut sein Haus, also seinen Erbfall auf einem stabilen Fundament statt auf Sand.
Die fünf Phasen der Einfach-erben-Methode® im Überblick
Die Einfach-erben-Methode® gliedert sich in fünf klar definierte Phasen, die aufeinander aufbauen. Ergänzt werden sie durch ein Zusatzmodul zur Vorsorge, das künftigen Konflikten vorbeugt.
| Phase | Ziel | Typische Aufgaben |
| 1. Ermitteln | Klarheit über Personen und Vermögen | Erben feststellen, Vermögenswerte sichten |
| 2. Ordnen | Struktur schaffen | Nachlassverzeichnis erstellen, Unterlagen sortieren |
| 3. Abwickeln | Verträge und Behördenangelegenheiten klären | Kündigungen, Behördengänge, Immobilienverwaltung |
| 4. Auseinandersetzung | Einigkeit zwischen Erben | Verbindliche Entscheidungen der Erbengemeinschaft |
| 5. Auszahlen | Abschluss des Nachlasses | Vermögen verteilen, Nachlass abschließen |
1 | Ermitteln: Die Basis für alle weiteren Schritte
Wer erbt und woraus besteht der Nachlass? Ohne diese Ermittlung fehlt jede Grundlage für spätere Entscheidungen, egal wie eilig es Miterben manchmal haben. Diese Phase dauert erfahrungsgemäß am längsten, weil hier Reaktionszeit von Ämtern und Banken eine große Rolle spielen, insbesondere, wenn Ermittlungen im Ausland nötig werden.
2 | Ordnen: Aus Chaos wird ein Nachlassverzeichnis
In der zweiten Phase kommt Struktur in Kontoauszüge, Verträge und Immobilienunterlagen. Ein sauberes Nachlassverzeichnis ist dabei kein bürokratisches Beiwerk, sondern das Werkzeug, mit dem sich später jede Streitfrage sachlich klären lässt.
3 | Abwickeln: Verträge, Behörden und Immobilien
Erst wenn Fundament und Wände stehen, folgt die eigentliche Abwicklung: Verträge werden geprüft und gekündigt, Behördengänge erledigt, Immobilien verwaltet oder verkauft.
4 | Erbengemeinschaft auseinandersetzen: Miterben an einen Tisch bringen
Gerade wenn sich eine Erbengemeinschaft auseinandersetzen muss, entstehen die meisten Konflikte, weil mehrere Erben unterschiedliche Vorstellungen und Interessen haben. Die Einfach-erben-Methode® macht an dieser Stelle sichtbar, welche Entscheidung ansteht und welche Optionen realistisch sind, statt Emotionen unkommentiert eskalieren zu lassen.
5 | Auszahlen: Der Nachlass wird abgeschlossen
Am Ende steht die Verteilung des Vermögens und der formale Abschluss des Nachlasses. Erst hier, in der letzten Phase, ist tatsächlich Zeit für das sprichwörtliche Dach.
Was sich für Erben durch die Methode konkret ändert
Die konsequente Anwendung der Einfach-erben-Methode® zeigt Erben anschaulich, wie der Prozess funktioniert und führt dazu, dass sie entspannter sein können. Der Grund dafür ist einfach: Geduld brauchen Erbengemeinschaften weiterhin, Nachlassabwicklungen dauern nun einmal ihre Zeit. Aber die Erben wissen jetzt immer, wo sie gerade stehen und was als Nächstes kommt. Dieses Wissen allein nimmt enormen Druck aus dem Prozess, denn Frust entsteht meistens nicht durch die Wartezeit, sondern durch die Ungewissheit darüber, ob überhaupt etwas passiert und aus dem Wunsch heraus, dass alles endlich erledigt ist.
Erbengemeinschaften, die die Phasen der Einfach-erben-Methode® kennen, können sich zudem deutlich leichter einigen, statt sich in der Auseinandersetzung zwischen den Erben zu verlieren. Sie streiten seltener über das große Ganze und klären stattdessen konkret, welche Entscheidung in der aktuellen Phase ansteht.
Wann lohnt sich zusätzliche fachliche Begleitung?
Nicht jeder Erbfall lässt sich allein anhand eines Fahrplans lösen. Sobald mehrere Erben beteiligt sind, wichtige Unterlagen fehlen oder das Vermögen unklar ist, wird eine Erbengemeinschaft schnell unübersichtlich. Genau dann zeigt sich der Wert der Einfach-erben-Methode® am deutlichsten, weil sie sichtbar macht, an welcher Stelle im Ablauf zusätzliche Expertise sinnvoll ist, etwa durch einen Nachlassexperten, einen Fachanwalt für Erbrecht, einen Steuerberater, einen Gutachter oder einen anderen Experten.
Fazit: Die Einfach-erben-Methode® gibt Erben Orientierung
Robert und seine Schwester hätten sich viel Streit erspart, wenn sie von Anfang an gewusst hätten, in welcher Phase der Nachlassabwicklung sie sich befinden und was tatsächlich als Nächstes ansteht. Genau das leistet die Einfach-erben-Methode®: Sie ersetzt kein Fachwissen, aber sie ersetzt die Orientierungslosigkeit, mit der die meisten Menschen in einen Erbfall starten. Wer den Ablauf einmal verstanden hat, baut sein Haus vom Fundament aus auf und nicht vom Dach her.
Als Nachlasspflegerin, Erbenermittlerin und Testamentsvollstreckerin überstütze ich seit mehr als 20 Jahren Erfahrung Erben auf ihrem Weg. Prüfen Sie gerne, ob eine strukturierte Begleitung auch für Ihren Erbfall sinnvoll sein könnte.



